27.01.2010 17:29 Alter: 219 days

Ausstellung des Künstlers Aatifi vom 21.03. bis 30.05.10


Unsere Räumlichkeiten werden wegen ihres Ambientes gerne von Künstlern als Ausstellungsfläche genutzt. Vom 21.03. bis zum 30.05.10 kommen unsere Schulungen in den Genuss einer Bildpräsentation des Künstlers Aatifi.

Aatifi – Maler, Grafiker und Zeichner

Universelle Bildsprache
Seine Bilder beeindrucken durch starke Kompositionen, tiefe Räumlichkeit, kraftvoll-leuchtende Farbgebung, geheimnisvolle Formen und überraschende Lichteffekte. Aatifi trägt die Farbenpracht, die Formenvielfalt und Lichtfülle des Orients in sich und bringt sie auf die Leinwand und zu Papier. Der Künstler schöpft aus dem unendlichen Fundus seiner orientalischen Wurzeln und verknüpft seine Arbeiten gleichzeitig mit der europäischen Kunst und ihren modernen Techniken.

Ungewöhnlicher Lebensweg
Aatifi vereint in sich und seinen Werken ein kulturelles Konglomerat: geboren in Kandahar, das lange gesellschaftlich und politisch prägendes Zentrum Afghanistans war, dort ausgebildeter Kalligraf, exzellentes Zeichentalent, Studium der Malerei in Kabul und Dresden, Entdeckung und Anwendung der europäischen Druckgrafik, mehrfache Auszeichnung mit Stipendien in Deutschland.

Ausbildung als Kalligraf
Vom sechsten Lebensjahr an geht Aatifi parallel zur Schule bei einem Meister der Kalligraphie in die Lehre. Als junger Erwachsener wechselt er in die Hauptstadt Kabul, wo er sich in den 1980er Jahren in der Kunstszene etabliert. Bereits vor Aufnahme seines Studiums der Malerei an der Faculty of Fine Arts der Universität Kabul baut er eine Kunstschule auf, an der bis Mitte der 1990er Jahre weit über 100 Schüler wie Schülerinnen in Kalligraphie und Zeichnen unterrichtet werden.

Bedeutende Nationalpreise
In Afghanistan erhält Aatifi zwei bedeutende Nationalpreise für sein ungewöhnliches Werk: 1989 den ersten Preis des afghanischen Kulturministeriums und 1991 den ersten Preis des afghanischen Künstlerbundes „Hakim Naser Khesraw Balkhi“. Die beiden Auszeichnungen gelten seiner individualisierten Kalligraphie und Komposition – er beginnt sich auf die reine Ästhetik der Formen zu fokussieren.

Weiterentwicklung in Deutschland

Seit 1995 lebt und arbeitet Aatifi in Deutschland. Hier entwickelt seinen künstlerischen Ansatz weiter. Aufgenommen an der Hochschule für Bildende Künste Dresden (für ein Gaststudium bei Professor Siegfried Klotz) und im Sächsischen Künstlerbund, anerkannt in der Dresdner und Radebeuler Kunstszene, beschäftigt er sich verstärkt mit der europäischen Kunst. Erstmals kommt er mit verschiedenen Techniken der Druckgrafik in Berührung. Das Atelier Oberlicht, gegründet mit drei weiteren Künstlern, wird sein Experimentierfeld für eine neue Form der Malerei, für freies Zeichnen und die unterschiedlichen Spielarten der Druckgrafik.

Überwiegende Abstraktion
Seit 1999 ist Aatifi im westfälischen Bielefeld ansässig. Auch wenn seine Arbeiten inzwischen überwiegend abstrakt sind, ist der Künstler in Malerei, Grafik und Zeichnen gleichermaßen versiert, er beherrscht das Figürliche und Gegenständliche. Heute bedient er sich in seinen Bildern auf Leinwand oder Papier nur noch Fragmenten der Kalligrafie und unterwirft sie seiner künstlerischen Ästhetik und Komposition. Die orientalischen Zeichen werden, vollkommen aus inhaltlichen Zusammenhängen herausgelöst, ihrer traditionellen Bestimmung enthoben, gedreht, zerteilt, geschichtet und durcheinander gewirbelt. Als bewussten Bruch seiner formvollendeten Kompositionen setzt Aatifi ungewöhnliche Farbkombinationen und spielerische, eher zufallsgesteuerte Bildelemente ein.

Eigenwillige, unverkennbare Handschrift
Seine Arbeiten auf Leinwand wie die Druckgrafiken – hier schätzt er am meisten die malerische Ausdrucksform der Aquatinta-Reservage – sind oft aus zwei oder vier Bildtafeln zusammengesetzt und damit noch mal fragmentiert. Sie wirken ästhetisch schön wie geheimnisvoll, üben eine kraftvoll-poetische Magie aus. Aatifi ist etwas Einzigartiges geglückt: Er hat aus der Verknüpfung der breit entfalteten, nichtfigurativen Darstellungsform der orientalischen Schriftkunst und Ornamentik mit der modernen westlichen Kunst eine völlig eigenständige, neuartige Bildsprache geschaffen. Seine Werke sind auf markante Weise individuell, stets von seiner eigenwilligen, unverkennbaren Handschrift geprägt.

Weltweit gültige Kommunikationsform
Die Qualität seiner Kunst zeichnet sich letztlich dadurch aus, dass sie konstante, Kontinente und Epochen übergreifende anthropologisch-kulturelle Wertmaßstäbe anerkennt und gleichzeitig unabdingbar mit dem Hier und Jetzt verquickt ist. Aatifi zitiert die Ursprünge der Sprache vor vielleicht 300.000 Jahren, er ist damit zurückgekehrt zu einer symbolischen und damit universell gültigen Kommunikationsform. Das macht seine Bilder im Zeitalter der Globalisierung weltweit interpretierbar und verständlich und – fernab gängiger zeitgenössischer Kunstrichtungen – zeitlos aktuell.

Martina Bauer, freie Journalistin